Die enge Naturverbundenheit der Indianer spiegelt sich auch im indianischen Horoskop wider. Die Erde war zuerst von den Tieren bewohnt, dann kam der Mensch. Sie betrachteten das tierische Leben gleichwertig und begegnetem ihm mit großer Hochachtung. Schließlich konnte sich in jedem Tier ein Geist verbergen, ein Gott. Bei der Geburt eines Menschen wird ihm sein eigenes Totemtier zugeteilt, das ihn ein Leben lang als Krafttier begleitet. Daneben kann ein weiteres Krafttier im Laufe des Lebens durch Meditation werden, das den Indianer ein behütender Freund begleitet. Von den Totemtieren geht Energie aus, durch sie können etwa Steine aufgeladen werden. Bestimmte Steine, denn jedem Totemtier ist auch ein Stein, ein Baum und eine Farbe zugeteilt. Das Totemtier zeigt bestimmte Eigenschaften, die dem Menschen für sein Leben bei der Geburt mitgegeben werden. Zwölf Totemtiere bestimmen die zwölf Monde des indianischen Jahreskreises.  Sie werden am Rand des indianischen Medizinrads dargestellt.

Medizinrad und Totemtiere

Über Jahrtausende hinweg beobachteten die Indianer den Einfluss der Natur auf den Menschen, vom Tag seiner Geburt bis zu seinem Tod. Nicht nur die Jahreszeiten zeigten sich bestimmend, sondern auch andere Einflüsse wie die Mondphasen oder die Himmelsrichtungen. Der Einfluss von Großmutter Mond und Großvater Sonne auf das irdische Leben war den Stämmen längst bekannt worden. Heute ist wissenschaftlich belegt, dass etwa Pflanzen mehr Saft in Vollmondnächten ansammeln oder mehr Geburten bei Vollmond als bei Neumond vorkommen. Über allem steht jedoch die große, kosmische Energie, die alles speist. So wird sie auch im Zentrum des Medizinrades als Mittelpunkt allen Lebens dargestellt, umgeben von den Elementen und den Himmelsrichtungen. Bei der Einteilung des Jahres in seine Abschnitte und Totemtiere sind die vier Jahreszeiten ebenfalls bestimmend. Der Frühling steht für neues Leben, für Geburt, für Entwicklung und die Kindheit eines Menschen. Der Sommer, der das Wachstum der Pflanzen vorantreibt, gilt als die Lebensphase der sprühenden Jugend und der Herbst, die Zeit der Ernte, als die Lebensphase des reiferen Alters, in der das Leben seine Früchte trägt. Der Winter symbolisiert das Alter, Lebensweisheit, Erfahrung, Wissen. Jeder Jahreszeit ist eine Himmelsrichtung und ein weiteres Totemtier zugeordnet, das ebenfalls den in der Zeit geborenen Menschen begleitet. Spiegelt das Geburtstotemtier des jeweiligen Mondes die Eigenschaften und die Persönlichkeit wider, die dem Menschen ins Leben mitgegeben wurden, stellt das Richtungstotemtier die Ausrichtung nach innen dar. Es zeigt, wie ein Mensch den Aufgaben des Lebens begegnet, welche Sinne bei der Bewältigung von Aufgaben angesprochen werden. Der Adler gehört zu Frühling und Osten. Adler-Geborene haben den Überblick. Sommer, Süden und Maus ermöglichen eine gute Wahrnehmung, Herbst, Westen und der Grizzlybär geben innere Stärke, der Winter, Norden und Büffel symbolisieren Wissbegierde.

Die Geburtstotemtiere

Von 22. Dezember bis 19. Januar regiert die Gans, ihr zugeordnet ist der Quarz, die Farbe Weiß  und die Birke. Sie gilt als verantwortungsbewusst. Ihre Aufgabe ist es, den Acker und den Weg zu bereiten. Nach ihr dominiert der Otter von 20. Januar bis 18. Februar mit Zitterpappel, dem Türkis und der Farbe Silber. Im Zeichen des Otters Geborene sind mit Forschergeist und Humor ausgestattet. Die Ihnen zugeteilte Aufgabe ist die Durchführung. Vom 19. Februar bis 20 März schließt der Wolf an. Er ist sensibel und diplomatisch, der Stein Jade ist ihm zugeteilt sowie die Farbe Blaugrün und seine Aufgabe ist die Entwicklung, das Abschließen. Menschen, die in der Zeit von 21. März bis 19. April geboren sind, haben als Totemtier den Falken. Sie haben Führungsqualitäten und ihre Aufgabe ist es, zu bewegen. Der Feueropal ist der Stein des Falken und die Ulme sein Baum, Gelb-Grün seine Farbe. Biber-Geborene, 20. April bis 20. Mai, zeichnen sich durch Kreativität und Treue aus, mit der Eberesche verbunden, ist ihr Stein der Blutstein und ihre Farbe das Blau. Von 21. Mai bis 20 Juni zeigt sich der Hirsch als Geburtstotem, im zur Seite Achat, Erle und die Farbe Grün. Der Hirsch ist klug und ebenfalls kreativ. Der Specht mit Rosenquarz, Espe und der Farbe Rosa dominiert die Zeit von 21. Juni bis 22. Juli. Ihn prägt Einfühlsamkeit und Zuwendung. Den Lachs-Geborenen, 23. Juli bis 22. August, charakterisieren Selbstvertrauen und Güte. Rot, Granat und Erle sind ihm zugeteilt. Von 23. August bis 22. September werden Menschen im Zeichen des Braunbären geboren mit Topas, Weißbuche und der Farbe Dunkelrot. Sie zeigen Zuverlässigkeit und Treue. Das Zeichen des Raben beginnt am 23. September und endet mit 23. Oktober. Er gilt als Symbol für Toleranz, sein Stein ist der Jaspis, seine Farbe Braun und zum Weinstock zeigt er große Affinität. Nach dem Raben folgt die Schlange im Jahreskreis, 24. Oktober bis 21. November, leidenschaftlich und zielstrebig, den Amethysten als ihren Stein und die Weide als ihren Baum sowie der Farbe Orange. Den Kreis der zwölf Monde schließt die Eule, mit Obsidian, der Farbe Schwarz und der Schwarzfichte, gerecht und unabhängig, die Freiheit liebend.

Einfluss der Mondphasen

Die Phase, in der sich Großmutter Mond bei der Geburt eines Menschen befindet, übt ebenfalls aus indianischer Sicht einen bedeutenden Einfluss auf das Leben des Menschen aus. Elf Tage dauert dabei die Phase des zunehmenden Mondes. Menschen, die in dieser Mondphase geboren sind, zeigen sich offen, gehen auf andere Menschen zu und sind aufgeschlossen. Noch stärker zeigen Vollmond-Geborene diese Eigenschaft. Der Vollmond steht im Anschluss an die zunehmende Phase rund drei Tage lang am Himmel. Nun beginnt Großmutter Mond wieder abzunehmen, ebenfalls 11 Tage lang. In dieser Phase Geborene neigen zu Verschlossenheit, sind stärker nach innen gekehrt. Sind die elf Tage verstrichen regiert der Neumond am Himmel, er verstärkt die Introvertiertheit des abnehmenden Mondes. Die Neumondphase dauert vier Tage. Neumond-Geborene neigen zum gesellschaftlichen Außenseitertum. Im Leben eines Menschen wirken sich die jeweils herrschenden Mondphasen verstärkend auf ihre mitgegebenen Mondeigenschaften aus. Die verschiedenen Gestalten von Großmutter Mond haben aber auch Auswirkungen auf das Tun und die Arbeit. Eine Arbeit begonnen, sollte am besten bei Vollmond werden, die Vollendung bei Vollmond vorgesehen werden. Für Verbesserungen und neue Ideen eignet sich die abnehmende Mondphase und für die Rückschau der Neumond. Das tiefe Naturempfinden der Indianer hat das Volk sensibel gemacht für alle Naturvorgänge, für die Einflüsse auf den Menschen und seine Umwelt. Natur und Mensch waren für alle Indianerstämme noch eins.