Die Kelten, ein wichtiges Volk im antiken Europa, hinterließen zwar Spuren auf dem gesamten Kontinent, doch so gut wie keine schriftlichen Überlieferungen. Mythen ranken sich um das geheimnisvolle Volk bis heute. Nicht zentral organisiert, sondern in Stämme aufgegliedert, waren sie als Barbaren gefürchtet. Ihr Name, griechisch keltoi, zum ersten Mal 450 vor Christus von Herodot verwendet, weist sie als tapfer und mutig aus. Das Wissen über ihre Kultur stützt sich in erster Linie auf die Schriften von Griechen und Römern. Dass sie hervorragende Kunsthandwerker waren, aber auch Händler, beweisen aber auch Funde und Ausgrabungen. Eine zentrale Rolle in ihrem gesellschaftlichen und kulturellen Leben nahmen die Druiden, ihre Priester, ein. Ihre Heilkunst sowie ihre Rituale und Bräuche sind zwar teilweise beschrieben und belegt, doch besonders um die Druiden wurde in den Jahrhunderten ein Netz aus Sagen und Mythen gesponnen. So stammt auch das heute sehr beliebte Baumhoroskop nicht von den Kelten. Bäume und Pflanzen spielten in der Religion der Kelten und in der Heilkunst der Druiden eine wichtige Rolle, doch das sogenannte keltische Baumhoroskop geht auf eine französische Journalistin zurück, die es im Auftrag einer Frauenzeitschrift erstellte.

Wissen, Glaube und Dichtung

Aus antiken Schriften, wie dem „De Bello Gallico“ von Julius Caesar, wird auf das Pflanzenwissen der Kelten verwiesen, besonders Eiche und Mistel wurden von ihnen als göttlich und heilkräftig verehrt.   Plinius, der Ältere, beschreibt die feierlichen Bräuche rund um die Mistelernte in seinem Naturae historiarum sehr detailliert. Er bezeichnet darin die Kelten als ausgezeichnete Naturbeobachter, die die Eiche als Götterbaum verehrten. Die Bezeichnung „Druide“ wird von manchen Geschichtsforschern von den Worten „dru uid“ hergeleitet, welche als „Eichenwissender“ übersetzt werden können. Die Heilkraft der Mistel ist heute längst wissenschaftlich erwiesen, keineswegs aber die Existenz eines keltischen Baumhoroskops. Im Gegenteil, die oft in den veröffentlichten Horoskopen beschriebene Zeder dürfte den Kelten völlig unbekannt gewesen sein, ebenso wie die Kastanie. Zwar deuten viele Namen von Familien und Städten in Großbritannien, wo die sogenannten Inselkelten zu Hause waren, darauf hin, dass Menschen und Orten charakteristische Bäume zugeordnet wurden, doch nicht im Zuge eines Horoskops. Der Name Mac Daro ist als Sohn der Eiche zu übersetzen, oder Mac Cuill als Sohn der Hasel. Im sogenannten keltischen Baumhoroskop wird das Jahr in 21 Abschnitte aufgeteilt, denen jeweils ein Baum zugeordnet ist. Auf die  Menschen, die im jeweiligen Jahresabschnitt geboren wurden, werden die Eigenschaften des zugeordneten Baum übertragen, ähnlich den Eigenschaften der Sternzeichen in der Astrologie.

Die Bäume im Horoskop

Das Jahr wird jedoch nicht in gleiche Abschnitte geteilt, denn manchen Bäumen ist lediglich ein Tag zugeordnet. Die Birke kennzeichnet am 24. Juni die Sommersonnenwende, die Buche am 22. Dezember die Wintersonnenwende, die Eiche am 21. März den Frühlings- und der Olivenbaum am 23. September den Herbstbeginn. Die Birke ist Symbol für das Schöpferische, die Buche für Zielstrebigkeit, die Eiche für Tatendrang und der Olivenbaum für Feinfühligkeit. Die Eigenschaften zeigen  sich in den veröffentlichten Baumhoroskopen jedoch nicht immer einheitlich.  Bäume beziehungsweise Personen, die in ihrem Abschnitt geboren wurden, werden durchaus unterschiedlich charakterisiert.  Neben den vier Bäumen, denen jeweils nur ein Tag des Jahres zugordnet ist, kommen im Baumhoroskop noch Apfelbaum, Ahorn, Eberesche, Esche, Feige, Hainbuche, Haselbaum, Kastanie, Kiefer, Linde, Nuss, Pappel, Tanne, Ulme, Weide, Zürgelbaum (oft als Zeder genannt) und Zypresse vor. Sie kennzeichnen jeweils einen Zeitabschnitt im ersten als auch im zweiten Halbjahr.

Bäume, Abschnitte und Eigenschaften

Unter dem Zeichen des Apfelbaums Geborene, 23. Dezember bis 1. Jänner und 25. Juni bis 4. Juli, gelten als besonders zärtlich und feinfühlig. Die Eberesche, 1. bis 10. April und 4. bis 13. Oktober, steht für Großzügigkeit und Forscherdrang und die Esche, 25, Mai bis 3. Juni und 22. November bis 1. Dezember, für Wissbegierde und Intuition. Über Feige-Geborene, 14. bis 23. Juni und 12. bis 21. Dezember, wird gesagt, sie seien wahre Glückskinder und Hainbuche-Geborene, 4. bis 13. Juni und 2. bis 11. Dezember,  die wahren Künstler. Der Haselnuss, 22. bis 31. März und 24 September bis 3. Oktober, wird Starrköpfigkeit und Konfrontationsfreudigkeit zugeschrieben, der Kastanie, 15. bis 24. Mai und 12. bis 21. November, Familiensinn und Verlässlichkeit. Als verlässlich und verantwortungsbewusst werden auch Kiefer-Geborene bezeichnet, 19. bis 28. Februar und 24. August bis 2. September. Von 11. bis 20 März und vom 13. bis 22. September regiert die Linde, mitfühlend, liebesbedürftig.  Unbeugsam und beharrlich zeigt sich der Nussbaum, vom 21. bis 30. April und vom 24. Oktober bis 11. November. Die anpassungsfähige Pappel überträgt ihre Eigenschaften vom 4. bis 8. Februar und vom 5. bis 13. August, die unnahbare und verschlossene Tanne vom 2. bis 11. November und 5. bis 14. Juli. Lebensfreude und Toleranz kennzeichnen Ulme-Geborene, vom 12. bis 24. Jänner und 15. bis 25. Juli, der Hang zum Mystischen ist den Weide-Geborenen, vom 1. bis 10. März und 2. bis 12. September, eigen. Die Zeder möchte alles ergründen, vom 9. bis 18. Februar und vom 14. bis 23. August, und die Zypresse, vom 25. Jänner bis 3. Februar und vom 26. Juli bis 4. August, kümmert sich um keinerlei Konventionen. Hingegen passt sich der Ahorn lieber der großen Masse an, vom 11. bis 20. April und vom 14. bis 23. Oktober.

Baumhoroskop und Baumkreis

Vielerorts werden als Kraftplätze, Erholungsstätten, aber auch als Touristenattraktionen keltische Baumkreise gepflanzt. Die Anordnung der Bäume entspricht dabei dem keltischen Baumhoroskop. Die Plätze erfreuen sich ebenso großer Beliebtheit wie das keltische Baumhoroskop. Auch bei den Baumkreisen vermischt sich Wahrheit mit Dichtung, Belegbares mit Mystik. Bäume zeigen auf Menschen verschiedene Wirkungen. Früher gab es kaum ein Dorf, in dem nicht die Dorflinde das gesellschaftliche Zentrum bildete. Unter der Linde wurde gefeiert, geplaudert und getanzt. In alten Zeiten wurden unter Eichen und Linden Gerichtsverhandlungen abgehalten, dabei glaubten die Menschen, dass unter der Linde mildere Urteile gesprochen würden. Die Wissenschaft hat inzwischen belegt, dass der Duft der Lindenblüten tatsächlich eine beruhigende und entspannende Wirkung auf den Menschen zeigt. Über die Wirkung des Holzes der Zirbelkiefer auf den menschlichen Schlaf veröffentlichte ein universitäres Forschungsinstitut eine erstaunliche Studie. In einem mit Zirbenholz ausgestatteten Schlafzimmer schliefen die Testpersonen nicht nur erholsamer, sondern es konnte auch tagsüber eine Verringerung der Herzarbeit festgestellt werden. Bis zu einer Stunde Herzarbeit pro Tag sparten die Testpersonen ein. Das Wissen um die Wirkung von Bäumen auf Menschen ist so alt wie die Menschheit, das Baumhoroskop aber nicht so alt wie die Kelten.